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Ansprache von Roman Breier auf der Vernissage der
Biennale MEINE WELT Nr.5 am 13.03.2005; Rückzug
des Kunstwerkes von dieser diskriminierenden Ausstellung:
Mein Name ist Roman Breier.
Ich bin einer der ausstellenden Künstler.
Bei der Biennale MEINE WELT handelt es sich meiner Ansicht
nach um eine diskriminierende Veranstaltung. Wir Künstler
werden als Menschen ausgegrenzt, indem wir als "anders"
bezeichnet werden.
Wir werden als Künstler diskriminiert, indem wir z.B.
im Katalog dieser Ausstellung kein einziges Mal Künstler
genannt werden.
Durch die Ab- und Ausgrenzung einzelner Menschen vom
großen Rest der Bevölkerung durch ihre Etikettierung
als "anders", gepaart mit der Zuweisung einer pseudomedizinischen
psychiatrischen Diagnose wird ihre Diskriminierung möglich,
wie sie in der psychiatrischen Praxis mit ihren alltäglichen
Menschenrechtsverletzungen wie Freiheitsberaubung, Zwangsfixierung
und Körperverletzung durch zwangsweises Verabreichen
von gesundheitsschädlichen psychiatrischen Drogen stattfindet.
Diese Ausstellung will integrieren, sie bleibt aber
in dem vorherrschenden stigmatisierenden Schema gefangen.
Die Kunstwerke haben allein gemeinsam, dass sie von
Künstlern geschaffen wurden, die "anders" sind als der
Rest.
Die hier ausstellenden Künstler werden allein unter
diesem Kriterium zusammengefasst und damit isoliert.
Die ehrende Erwähnung Prinzhorns ist eine unerträgliche
Beleidigung für die Künstler dieser Ausstellung, da
dieser das Schaffen von "Geisteskranken" bewusst nicht
als Kunst, sondern als "Bildnerei" bezeichnete und gleichzeitig
mit seinen Werken wie "Gemeinschaft und Führertum -
Ansatz einer biozentrischen Gemeinschaftstheorie" und
"Bildnerei der Geisteskranken" ideologische Grundlagen
für das NS-Regime formulierte, in dem bekanntermaßen
als "geisteskrank" diagnostizierte Menschen als "lebensunwert"
bezeichnet und ermordet wurden und, weitergedacht, in
dem Bau und Betrieb der Mordfabriken in Polen und dem
Völkermord an den europäischen Juden, Sinti und Roma
gipfelte.
Die Bezeichnung der Kunst als "entartet" führte zur
Verfolgung vieler anderer unliebsamer oder systemkritischer
Künstler.
Es ist außerdem eine Beleidigung für Jean Dubuffet,
im Zusammenhang dieser Ausstellung genannt zu werden,
da doch er es gerade war, der sagte:
"Es gibt ebenso wenig eine Kunst der Geisteskranken,
wie es eine Kunst der Magen- oder Kniekranken gibt."
Er weigerte sich, bei der Einordnung von Kunst in irgendeiner
Form vom Künstler statt vom Werk auszugehen, und in
seinem Aufsatz "ART BRUT" schrieb er:
" … fast die Hälfte der Objekte in unserer Ausstellung
sind Werke von Insassen psychiatrischer Kliniken. Dennoch
sehen wir es nicht ein, wie es andere tun, eine spezielle
Abteilung für sie einzurichten."
Aus diesen genannten Gründen ziehe ich mein Kunstwerk
aus dieser Ausstellung zurück und fordere meine Kollegen
dazu auf, das Gleiche zu tun.
Alternativ werden meine und andere Werke ab dem 18.3.
im Werner-Fuß-Zentrum in Berlin zu sehen sein. Genaueres
wird in den nächsten Tagen auf der Homepage www.anomalie-international.de
zu erfahren sein.
Beschreibung der Ausstellung auf der Homepage des
"Museums Junge Kunst"
(Quelle: www.museum-junge-kunst.de/html/fr_progr.htm):
Arbeiten von geistig Behinderten, Psychiatrieerfahrenen
und Outsidern aus Deutschland - Malereien, Arbeiten
auf Papier, Gedichte, Plastiken und Installationen -
Ein Projekt des Wichernheims Frankfurt an der Oder e.V.
und des Museums Junge Kunst
Aus über dreihundert eingesendeten Bildmappen oder
Einzelfotos fiel die Auswahl auf 35 Teilnehmer.
Sie kommen aus bekannten Städten wie Köln, Berlin, Kassel,
Münster, Göttingen, Kiel, Lutherstadt Eisleben, München
oder weniger bekannten wie Riedstadt, Rickling, Kleinmachnow,
Kempten, Bernau (bei Berlin), Regen oder Herrenberg.
Sie leben in Kliniken, in Heimen, werden beraten und
betreut durch soziale Stationen oder verbringen ihre
meiste Zeit allein oder im Kreis der Familie und haben
ganz unterschiedliche Voraussetzungen für ihre Arbeitsbedingungen.
Doch gemeinsam ist ihnen die schöpferische Gabe und
das Getriebensein, ihre innere oder äußere Welterfahrung
sichtbar zu machen.
Wie bisher wird seitens des Projektes kein Thema vorgegeben
und es werden auch keine Preise oder wertende Hierarchien
verteilt.
Wie zu erwarten, war die Anzahl der höchst eigenwilligen
Bilder von der sichtbaren Welt da draußen und von dem
unsichtbaren Seelenchaos da drinnen viel zu hoch, als
dass alle in dieser Ausstellung gezeigt werden konnten.
Deshalb musste eine Auswahl nach rein künstlerischen
Kriterien erfolgen.
Dabei ging es weder um die Bebilderung einer Behinderten-
oder Krankengeschichte noch um die Dokumentation von
Gestalttherapie.
Und nicht wenige Einsender die diesmal nicht dabei sein
konnten, erhielten den schriftlichen Hinweis, dass sie
sich unbedingt wieder für die kommende Biennale in Frankfurt
(Oder) bewerben sollten.
Wie in den ab 1997 organisierten Biennalen sind diese
authentischen und eigenwilligen Bilder, Plastiken, Installationen,
Collagen und ebenso Gedichte überhaupt nicht in eine
stilistische Kategorie einzuordnen.
In den fast dreihundert Werken begegnen uns unter anderen
surreale Seelenpein, naiv-farbprächtige Porträts sowie
dekorative Landschaftsschilderungen, expressive Psychogramme
auf heraufziehende Ängste, hoch akkurat gezeichnete
Ornamente, naturalistische Popstarinterpretationen und
Protokolle traumatisierender Kindheitserlebnisse.
Versponnenes, Groteskes sowie Heiteres prallen auf Dunkles,
Verwirrendes und Schmerzhaftes. Das Leben in all seinen
Schattierungen prägt ihre Empfindungen scheinbar unmittelbar
und ohne Vorwarnung.
Der von uns mühsam aufgepinselte soziale und illusionäre
Lack auf die kalt und menschenverachtend wirkenden Konsum-
und Leistungsgesellschaft erfährt eine unwiederbringliche
Beschädigung.
Diese in Deutschland einmalige Biennale bildet eine
Plattform für Arbeiten, deren Ursprünge in der Seele,
in den Träumen, Hoffnungen, Enttäuschungen und in verdrängten
Gefühlen zu finden sind.
Im heutigen Betriebssystem Kunst fehlt augenscheinlich
dieser Aspekt fast vollständig.
Als großer, offener Rahmen für diese Kunstäußerungen
werden gern die Begriffe von der Outsiderart, von der
Art brut (Jean Dubuffet) oder von einer zustandsgebunde-nen
sowie authentischen Kunst oder ähnliche Etikette verwendet.
Sie versuchen ein Phänomen des unmittelbaren (?) Schöpferischen
zu umreißen, das seit dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts
nicht nur Künstler und Fachleute in den Bann gezogen
hat.
Denn hier entsteht etwas, das der französische Maler
und Kunstsammler Jean Dubuffet in den Vierzigerjahren
mit den Begriffen des Antikünstlerischen und des nicht
Professionellen zu beschreiben versuchte.
Seitdem haben sich die Theorien weiter entwickelt und
der Blick ist viel differenzierter geworden. Schon längst
ist diese Kunst zum Stammgast im Betriebssystem Kunst
geworden und dennoch bleibt sie ein geheimnisvolles
Ereignis.
Die Biennale Meine Welt in der Spätrenaissancehalle
sowie in dem hochgotischen Festsaal des Museums Junge
Kunst in Frankfurt (Oder) bietet die Gelegenheit, sich
diesem zu stellen."
Kurator und Verfasser des Textes:
Armin Hauer
( stellvertretender Direktor des Museums Junge Kunst)
Mein Brief an Armin Hauer vom 16.01.2005:
(Als ich in den ersten Tagen diesen Jahres den
Katalogstext vorliegen hatte, forderte ich umgehend
die Herausnahme des diskriminierenden Textes, in dem
wir Künstler kein einziges Mal Künstler genannt
wurden, aus dem Katalog der Ausstellung. Dies war doch
ganz im Stile des Buchtitels "Bildnerei der Geisteskranken"
von dem Psychiater und Naziideologen Hans Prinzhorn,
der das Wort Kunst bewußt nicht für diesen
Personenkreis und sein "gestalterisches Bemühen"
verwandt sehen wollte.
Meine ausführliche Begründung meines Anliegens
kündigte ich bis spätestens zum 16.01.2005
an.)
Sehr geehrter Herr Hauer,
ich danke Ihnen für die schnelle Antwort auf mein Schreiben
vom 06.01.2005. Auch will ich Ihnen für die Zusendung
der Kopie des neuen Vorwortes von Gerhard Roth zu "Die
Bildnerei der Geisteskranken" danken, dem Buch, das
Hans Prinzhorn 1922 verfasste, das mir jedoch Frau Witzleben
einige Tage zuvor schon geschickt hatte.
Weiterhin freut es mich, dass Sie keine Ausgrenzung
anstreben und möchte Ihnen für Ihr nun schon länger
als zehn Jahre andauerndes Engagement "für eine Integration
der Arbeiten von Outsidern, von geistig Behinderten
und von Psychiatrie-Erfahrenen in den Zusammenhang der
Gegenwartskunst" danken, welches mir sehr lobenswert
erscheint.
Umso dringlicher und wichtiger wird es sein, die Chance
wahrzunehmen, die Ausstellung auch in ihrer Ausrichtung,
Beschreibung und in ihrer Darstellung in der Öffentlichkeit
jetzt und in Zukunft diskriminierungsfrei und "betroffenenorientiert"
zu gestalten.
Ihnen und Frau Witzleben erschließt sich hiermit auch
die Möglichkeit, wie ich in ähnlicher Form bereits erwähnte,
avantgardistisch eine Ausstellung zum Nutzen und nur
zum Nutzen Betroffener zu organisieren.
Einige Antworten auf Ihr Schreiben vom 11.01.2005 werden
Sie aus meiner Begründung zu meinem Schreibens vom 06.01.,
die in diesem Schreiben auch angekündigt ist, herauslesen
können.
Begründung der Forderung auf Herausnahme Ihres Textes
aus dem Katalog der "Biennale "Meine Welt"" die angeblich
weder durch ihre Präsentation noch als Hintergrund ihrer
Ausrichtung (nach Ihrer und Frau Witzlebens Darstellung
zu urteilen) die Absicht noch den Wunsch verfolgt, die
Beteiligten zu diffamieren und zu diskreditieren:
Vielleicht sollte ich erst einmal einige Worte über
die Vorgehensweisen und "Behandlungsformen" aus Betroffenensicht
schreiben, damit Sie, der, bitte verbessern Sie mich
falls ich falsch liege, weder Psychiater sind, noch
die Psychiatrie als Insasse selbst "erlebt" haben, sich
einmal ein Bild machen können.
Danach werde ich auf die in Ihrem Vorwort zur "Biennale"Meine
Welt" Nr.5" verwendete Sprache und auf die national-sozialistischen
Hintergründe des Psychiaters Hans Prinzhorn, sein Leben
und sein "Lebenswerk" eingehen.
Die Psychiatrie ist ein machthungriges, hierarchisch
organisiertes System.
Mit ihren pseudowissenschaftlichen und in der Art der
Wortschöpfungen und Wortbedeutungen an dem medizinischen
Vokabular angelehnten "Diagnosen" will die Psychiatrie
krampfhaft Teil der Medizin sein, die jedoch Patienten
nur, mit "informed consent" behandelt.
Doch anhand verleumderischer Diagnosen, die objektiv
jedoch gar nicht nachzuweisen und zu belegen sind, da
es sich bei diesen "Krankheiten" um Formen von Gedanken
und seelischen Problemen handelt, beraubt die Zwangspsychiatrie
immer und immer wieder Menschen ihrer Menschenrechte
und ihrer Würde, indem sie Betroffene gegen ihren Willen
und ohne dass sie eine strafbare Handlung begangen hätten,
der Freiheit beraubt, körperliche Gewalt auf sie ausübt
und mit giftigen, nachhaltig schädigenden, die Psyche
verändernden, psychiatrischen Drogen zwangsweise "abspritzt".
Zusammen mit dem Geständnisziel Krankheitseinsicht (ohne
welche man eine Psychiatrie so schnell nicht wieder
verlässt und welche als nachträgliche Rechtfertigung
der "Behandlung" erzwungen wird) erfüllt die Zwangsbehandlung
alle Kriterien der Folter, welche von den Vereinten
Nationen (UN) als solche festgelegt wurden.
Das zwangsweise Verabreichen von "mind altering drugs"
wird immer, sogar bei der derzeit weltweit laufenden
und zu bedauernden Diskussion über die Aufweichung des
absoluten Folterverbots zum angeblichen "Schutze" der
Bevölkerung, immer als schwere Folter definiert.
Falls man mal klar dargelegt haben möchte, welche Willkür
das psychiatrische System und die damit verbundene "Diagnostik"
darstellt, zitiere ich Prof. Dr. Hirsch aus Bonn, der,
als einziger eingeladener Psychiater, in der ersten
Anhörung zur Reform des Betreuungsrechts am 26. Mai
2004 in Berlin sagte : (Textteil aus dem Protokoll der
Anhörung:)
"Aber die andere Seite ist letztendlich, dass mit der
Diagnose enormes Schindluder getrieben wird. Einer ist
ein bisschen verwirrt, altersstarr, macht nicht das,
was ich will, schon ist er dement."
An anderer Stelle:
"Die höchste Korrelation (der Diagnosen; Anm. meinerseits)
gibt es zwischen den Klinikchefs und in einer Klinik.
Ansonsten muss man bei vielen psychiatrischen Diagnosen
sehr vorsichtig sein"
Vielleicht hilft es Ihnen ja weiter zu wissen, dass
Sie nur einmal mit Ihren "Sorgen" zum Psychiater zu
gehen brauchten, oder in Folge einer bösartigen Verleumdung
bei dem Vormundschaftsgerichts von Seiten eines missgünstigen
Nachbarn zur "Zwangsbegutachtung" bei einem Psychiater
"vorgeführt" werden können, um dann, ganz von dessen
Laune abhängend als "dement", "schizophren" oder anderweitig
"krank" abgeurteilt und daraus folgend entrechtet, entwürdigt
und zwangsbehandelt werden zu können.
Und fallen Sie bitte nicht der Täuschung zum Opfer,
die seelischen "Krankheiten" seien das Ergebnis von
"Stoffwechselstörungen" im Gehirn.
Der Beweis für "Stoffwechselstörungen im Gehirn" wurde
in Testreihen bei "Insassen" in den Psychiatrien ermittelt,
bei denen Stress und die langfristige Einnahme psychiatrischer
Drogen ohnehin schon einen Großteil des allseits erwähnten
und in seinen Wechselwirkungen sehr empfindlichen "Hormonhaushaltes"
zerstört hat.
Im Gehirn wird deshalb nach den Ursachen "gesucht",
weil nur dann mit einer biologisch-wissenschaftlicher
Theorie "abweichendes Verhalten" erklärt werden kann,
wenn der Geist seinen Sitz im Gehirn hat und so lokalisiert
nach Ursachen gesucht werden kann.
Früher hat man zu solcher biologisch begründeter "Beweisführung"
angefangen die Köpfe der "Abartigen" zu vermessen.
Heute behauptet die moderne biologisch orientierte Psychiatrie
wieder, irgendwelche Erbfaktoren, nämlich sogenannte
"Kandidatengene" für angeblich "psychische Krankheiten"
gefunden zu haben und damit wiederum versucht, Erbhygiene
zu begründen.
Habe ich mich klar ausgedrückt?
Zu dem Text, den Sie als Einleitung für den Katalog
geschrieben und geplant haben.
Es lässt sich für mich schwer nachvollziehen, weshalb
Sie die Künstler an keiner Stelle Ihres Textes als "Künstler"
bezeichnen, sondern sie nur als "Teilnehmer" und im
weiteren Verlauf des Textes als "sie" bezeichnen.
Zur Sprache ist folgendes anzumerken.
Die Ausgrenzung der Künstler wird durch Benutzung eines
erschreckenden und entsetzlichen psychiatrischen Vokabulars
dokumentiert.
Hierbei ist zu erklären, dass die Ausgrenzung und die
Vernichtung der modernen Kunst und ihrer Künstler, auch
einige Künstler der sog. "Prinzhornsammlung" sind Opfer
des Mordens der Ärzte im Zuge der sog. T4-Aktion (Vernichtung
"unwerten" Lebens) geworden, bei einer Fortführung des
Faschismus in Deutschland nach 1945 die Folge der Pathologisierung
eines Teiles der Kunst und ihrer Schöpfer gewesen wäre.
Denn eingesperrten und entrechteten Menschen ihre Kunstwerke
zu rauben ist die eine Seite.
Diese Kunst aber als "Bildnerei der Geisteskranken"
hinzustellen, sie nicht mit dem Namen der Urheber zu
bezeichnen, sondern mit so genannten "Diagnosen" zu
versehen und in Folge darauf (das, und auch nur das,
mag nicht Prinzhorns Werk gewesen sein) diese gesamte
Kunstform als "entartet" hinzustellen und zusammen mit
"Negerkunst" und "Kinderkunst" in eine "Gestaltungs"-Ecke
zu stellen (Carl Schneider; Nachfolger von Hans Prinzhorn)
ist die Andere.
Weitergedacht hätte dieser Vorgang zu einer Bedrohung
und sogar Vernichtung der Modernen Kunst und der modernen
Künstler geführt, die logische Weiterführung der Gedankengänge
der Nazis.
1. Pathologisierung der Kunst ("Geisteskranker") =>
"gesunde" Kunst und "kranke" Kunst (hat zur Vernichtung
behinderter und "geisteskranker" Menschen geführt)
2. Übertragung der Beurteilung aller Kunst nach kunstwissenschaftlichen
(und, von Prinzhorn "erfunden":) psychologischen Gesichtspunkten
=> Einteilung der etablierten Kunst, ihrer Künstler
und ihrer Kunstwerke in "gesund" und "entartet".
3. Vernichtung aller modernen Künstler im Einflussgebiet
des Faschismus um den "Volkskörper" von der "Entartung"
zu befreien und durch "Zucht" einen "gesunden" deutschen
"Volkskörper" formen.
Zur weiteren Recherche sollten Sie einmal den Text lesen,
den Carl Schneider als Eröffnungsrede zur Ausstellung
"Entartete Kunst" geschrieben hat und den Sie im Internet
unter folgendem Link finden:
http://www.psychiatrie-erfahrene.de/eigensinn/carlschneide.htm
Oft unbekannt ist, dass das ganze Massenmorden der Nazis
in den Psychiatrien mit der "Vernichtung unwerten Lebens"
seinen Anfang nahm.
Die Vernichtung von Menschen jüdischen Glaubens begann
erst, nachdem die Gaskammern in den Psychiatrien schon
zwei Jahre in Betrieb waren und die Körper "geistig
Behinderter", "körperlich Behinderter" und Psychiatrie-Erfahrener
in den Krematorien der Vernichtungs-Zentren Deutschlands
zu Asche verbrannt waren.
Unterstellt, Hans Prinzhorn sei kein Nazi gewesen, so
hat doch er als Erster zusammen mit seinem Vorgesetzen
die Pathologisierung der Kunst begonnen und hat armen,
entrechteten, entwürdigten und mit täglicher Folter
konfrontierten Menschen das einzige genommen (gestohlen;
da eine rechtmäßiger Eigentumsübertragung nie stattgefunden
hatte), das ihnen in ihrer Misere noch geblieben war,
nämlich ihre selbst geschaffenen Kunstwerke.
Perfiderweise um ihre Kunstwerke mit ihren, regelmäßig
unter Zwang entstandenen, "Diagnosen" zu versehen und
damit Kunst zu kränken, eben zu pathologisieren.
Da Sie, meines Wissens weder Arzt noch Psychiater noch
Psychologe sind, ist mir nicht erklärlich, weshalb Sie
psychiatrische Begrifflichkeiten und solche Formulierungen,
die leicht dahin zu interpretieren sind, weil sie auf
Leiden und Qual im Gegensatz zu einem "gesunden" unbeschwerten
Leben hinweisen, in Bezug auf Kunst und Künstler zum
Ausdruck bringen, wie zum Beispiel:
- "..manisch-endlosen Reihen merkwürdiger Chiffren,..."
- "...zwanghaft Körperliches entflieht der harmonischen
Mitte."
- "die klamaukigen chaotisch messihaft verstörenden
Aktionen von John Bock"
(ausnahmsweise ein Künstler, der außerhalb der Ausstellung
steht)
- "süß Morbides, brennig düster Anziehendes überschreiten
sehr häufig das Maß einer akademischen Farbauffassung"
Auf die Beispiele, welche latent den Krankheitsbegriff
und die psychiatrischen Diagnosen unterstützen werde
ich später noch einmal eingehen.
Nun zu dem Psychiater Hans Prinzhorn.
Ihr "Beweis" dass Hans Prinzhorn kein nationalsozialistisch
denkender Mann sein kann, weil er Heidelberg schon 1921
verließ, ist nicht schlüssig.
Ob einer in Heidelberg, Dresden oder Frankfurt wohnt,
sagt nichts über seine Weltanschauung aus.
Auch das Argument Prinzhorn sei vor Machtergreifung
der NSDAP im Jahre 1933 gestorben, sagt auch nichts
über sein Gedankengut aus.
Als Nachweis seiner nationalsozialistischen Ideologie,
die er durch das Schreiben seiner "Werke" öffentlich
machte und zu deren Weiterverbreitung er damit beitrug,
enthält das Buch des Kunstwissenschaftlers Dr. Thomas
Röske "Der Arzt als Künstler - Ästhetik und Psychotherapie
bei Hans Prinzhorn (1886 - 1933)", erschien im Aisthesis
Verlags in Bielefeld 1995, eindeutige Beweise.
Eine Sammlung der ungeheuerlichen Aussagen Prinzhorns
in seinen zahlreichen Büchern und Texten sind im Internet
unter folgendem Link veröffentlicht:
http://www.psychiatrie-erfahrene.de/eigensinn/roeske.htm
Des Weiteren will ich hier aus zwei Quellen zitieren.
Als Erstes ein Zitat aus einer Rede, die René Talbot,
der Sprecher von Betroffenen und des prominenten Freundeskreises
des "Hauses des Eigensinns", in Paris hielt.
Thema war die Gründung des damals geplanten Museums
"Haus des Eigensinns - Museum der Wahnsinnigen Schönheit",
in dessen Rahmen auch die "Prinzhornsammlung" gezeigt
werden sollte, nachdem der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener
e.V. als Repräsentant seiner damals ermordeten "Brüder
und Schwestern" die Verwaltung und Ausstellung übernommen
hätte.
Als Kunstwissenschaftler werden Sie, so hoffe ich, offen
sein für Tatsachen, deren Verschleierung sich immer
negativ auf alle Betroffenen und auf die auswirken muss,
die ihre Augen, wissend oder nichts ahnend, bewusst
oder unbewusst vor den Fakten der Geschichte verschließen.
"…Die "Aktion T4" und die so genannte Prinzhornsammlung
sind inhaltlich folgenschwer miteinander verquickt.
Aber dazu später mehr. Zunächst würde ich gerne ein
paar Sätze zu dem Wort "Geisteskrankheit" sagen, damit
Sie gleich wissen, daß ich den Begriff nicht akzeptiere.
Schließlich hängt eine angemessene Rezeption der Werke
für "schizophren" erklärter Menschen eng damit zusammen,
was unter "Krankheit" und "Gesundheit" verstanden werden
soll.
Eine angemessene Rezeption fällt deswegen so schwer,
weil implizit eine Kritik der menschenverachtenden Verhältnisse
der Psychiatrie damit einhergeht, die nicht nur in meinen
Augen ein Kerkersystem mit Folterregime ist.
Der Ihnen allen wohlbekannte französische Philosoph
Michel Foucault hat die wesentlichen Bemerkungen dazu
schon 1961 gemacht - ich muß sie Ihnen hier nicht mehr
gesondert zitieren.
Der Dreh- und Angelpunkt der Kritik ist dabei der verleumderische
und diffamierende Gebrauch solcher Worte wie "Schizophrenie",
"manische Depression", "Schwachsinn", usw..
Der amerikanische Psychoanalytiker und Psychiater Thomas
Szasz hat ihn folgendermaßen prägnant charakterisiert:
"Schizophrenie", schreibt Szasz, "ist ein strategisches
Etikett, wie es "Jude" im Nazi-Deutschland war. Wenn
man Menschen aus der sozialen Ordnung ausgrenzen will,
muß man dies vor anderen, aber insbesondere vor einem
selbst rechtfertigen.
Also entwirft man eine rechtfertigende Redewendung.
Dies ist der Punkt, um den es bei all den häßlichen
psychiatrischen Vokabeln geht: Sie sind rechtfertigende
Redewendungen, eine etikettierende Verpackung für "Müll";
sie bedeuten "nimm ihn weg", " schaff ihn mir aus den
Augen", etc.
Dies bedeutete das Wort "Jude" in Nazi-Deutschland,
gemeint war keine Person mit einer bestimmten religiösen
Überzeugung. Es bedeutete "Ungeziefer", "vergas es".
Ich fürchte, daß "schizophren" und "sozial kranke Persönlichkeit"
und viele andere psychiatrisch diagnostische Fachbegriffe
genau den gleichen Sachverhalt bezeichnen; sie bedeuten
"menschlicher Abfall", "nimm ihn weg", "schaff ihn mir
aus den Augen."
Zitiert aus: "Interview with Thomas Szasz" in The New
Physician, 1969.
Mit der Kritik des Gebrauchs der psychiatrischen Worte
und der damit legitimierten gewalttätigen Praktiken
geht letztlich das Verschwinden des ganzen Begriffs
der "Geisteskrankheit" einher, gerade dann, wenn es
nicht mehr möglich sein wird, die psychiatrische Begrifflichkeit
und die Krankheitseinsicht auf der Seite der Betroffenen
mit brachialen Mitteln wie Einsperren, Fixieren und
zwangsweiser Drogenverabreichung gegenüber den so Stigmatisierten
durchzusetzen.
Psychiatrische Verhältnisse in der Gesellschaft, der
therapeutische Staat, sind der Ausgangspunkt für eine
kolonialisierende Rezeption der Kunst, der auch die
bösgläubig erworbenen Werke internierter Künstler anheim
gefallen sind, die unter dem Namen des Nazi-Ideologen
Hans Prinzhorn in der Universität Heidelberg okkupiert
gehalten werden.
Sie sehen also, es geht um ein ganzes Geflecht ineinander
verwobener und verschränkter Begrifflichkeiten, die
scharf kontrastieren mit Werten wie Menschenrechten.
Im Zentrum stehen die Ausschreitungen eines Ausgrenzungs-,
Straf- und Kontrollapparates: der Zwangspsychiatrie.
Lassen Sie mich an dieser Stelle deutlich machen: Allein
die Rede vom "kranken" bzw. "gesunden" Geist, mit dem
irgendeine Kunst charakterisierbar sei, ist eine Kränkung
von Kunst überhaupt.
Hans Prinzhorn, nach dem die Sammlung benannt ist, um
die es uns hier geht, ist ein wesentlicher Protagonist
dieser Verleumdung und Kränkung, die logisch in den
brachialen Rassismus, die Naziideologie, führt.
Tatsächlich war Hans Prinzhorn ein wesentlicher Wegbereiter
des ideologischen Umfeldes, das in Gaskammermassenmorden
und "medizinischen" Menschenversuchen seinen konsequenten
Höhepunkt fand.
Dies ist ein schwerer Vorwurf, der einer Klärung bedarf.
Ich will mit dem einfachsten Teil beginnen, dem Nachweis,
daß Hans Prinzhorn ein Nazi-Ideologe war.
Um Hans Prinzhorn selbst zu Wort kommen zu lassen, werde
ich Ihnen hier lediglich Zitat an Zitat reihen, um meine
These zu belegen.
Dem "Judenproblem" gegenüber gibt Prinzhorn zu bedenken:
"Nur was man vernichten oder versklaven kann, muß Schmähungen
erdulden".
Der Titel eines seiner Aufsätze lautet:
"Gemeinschaft und Führertum. Ansatz einer biozentrischen
Gemeinschaftstheorie", von "vollständiger Theorie der
Gemeinschaft" und dem "Urbild des Führermenschen" ist
an anderer Stelle die Rede.
Das "Schicksal dieses prometheischen Führers", der Hitler
für ihn ist, sei es, "innerhalb seiner Gruppe auf Grund
neuer Erkenntnisse und Ziele die Gemeinschaft zu zersprangen
und den Keim zu einer neuen Gemeinschaftsform zu legen".
Und voll Begeisterung: "Sprecht mit allen Menschen vom
Nationalsozialismus.
Ihr werdet die Art seiner Verbundenheit mit dem deutschen
Schicksal sogleich erkennen".
In seinem Buch 'Psychotherapie' noch hatte er die "faschistische
Form" einer "Ethik der mächtigen Masse" mit der von
ihm negativ bewerteten "amerikanischen" und "bolschewistischen"
gleichgesetzt.
Von Prinzhorn stammt auch der Entwurf des "Idealbildes"
eines Übermenschen Arztes, der imstande sein solle,
"der ganzen Gesellschaft ein Wohltäter zu werden."
Gegen "die rasend schnelle, in kaum zwei Generationen
geschehene Überflutung mit jüdischem Geist" empfiehlt
er jedoch statt Kampf eine überzeugendere Selbstdarstellung,
nämlich "in Werk und Tat... die dem Judentum unbequemen
arischen Eigenwerte auf so hohem Niveau zum Ausdruck
zu bringen, daß nur offensichtlich tendenziöse Gehässigkeit
noch Angriffspunkte findet".
Für einen vollständigen Überblick der Lingua Tertii
Imperii bzw. der Nazi-Sprache von Hans Prinzhorn empfehle
ich das Buch von Thomas Röske "Der Arzt als Künstler",
dem ich auch die Zitate entnommen habe. Diese Äußerungen
sind eine typische Essenz dessen, was Hans Prinzhorn
bekannt gemacht hat:
Die Plünderung der künstlerischen Werke psychiatrisierter
Menschen für die Gründung eines psychopathologischen
Museums. Dabei nutzte er die entrechtete Situation dieser
Menschen schamlos aus. Er raubt ihnen, die eingesperrt
und entmündigt sind, noch das letzte, was ihnen als
Urhebern gehört, ihre künstlerischen Werke.
In der selbstverständlichen Arroganz einer kolonialen
Macht gelten für sie keine Gesetze mehr. Statt wenigstens
ein schriftliches Einverständnis der Vormünder der Psychiatrisierten
einzuholen, werden die Werke einfach von den Herrschern
in den Kliniken, den Ärzten, beschlagnahmt. In vielen
Fällen wird einfach das Abhängigkeitsverhältnis gefangen
gehaltener Patienten ausgenutzt, um sich die Werke angeblich
"schenken" zu lassen.
Keine dieser Methoden hat zu einem rechtsgültigen Eigentumsübergang
geführt, da es sich um einen bösgläubigen Erwerb gehandelt
hat. Eine von dem deutschen Spezialisten in Urheberrechtsfragen
Prof. Raue angefertigte Expertise diesen Inhalts wurde
inzwischen sogar von dem Ex-Kulturminister Dr. Michael
Naumann anerkannt.
Diese Tatsache, daß kein rechtsgültiger Eigentumsübergang
der Werke der Sammlung an Hans Prinzhorn stattgefunden
hat, wird bislang von den Vertretern und Diskutanten
von "Kunst und Wahn" einfach nicht zur Kenntnis genommen.
Die Psychiatrie versucht, sie konsequent totzuschweigen.
…"
Ganzer Text:
http://www.irrenoffensive.de/paris.htm
Als Zweites zitiere ich die Antifaschistische Initiative
Heidelberg, die zu Hans Prinzhorn und seinem Nachfolger
Carl Schneider im Rahmen der damals geplanten Eröffnung
der "Prinzhornsammlung" wichtige Informationen recherchiert
und zusammengetragen hat.
"Die Neueröffnung der "Prinzhornsammlung" gerät zu einer
Verhöhnung der KünstlerInnen und zu einer Reinwaschung
der Euthanasie-Täter ….
Bei der Sammlung handelt es sich um rund 6000 Kunstwerke
von Psychiatriepatientinnen und -patienten, die der
Psychiater Hans Prinzhorn in den Jahren 1919 bis 1921
"zusammengetragen" hat.
Während die Sammlung Künstlern wie Paul Klee und Pablo
Picasso als Inspiration für ihre eigenen Arbeiten diente,
waren ihre Werke für die Nazis willkommene Beispiele
für "entartete Kunst" - etliche Exponate fanden sich
in der gleichnamigen Ausstellung der Nazis wieder, wo
sie mit höhnischen Kommentaren den Bildern anderer moderner
Künstler gegenübergestellt wurden.
Wenn heute die Universität Heidelberger und die Organisatoren
der "Prinzhorn-Ausstellung" argumentieren, für diese
"Auswüchse" sei Prinzhorn, der kurz vor der Machtübergabe
an die Nationalsozialisten im Januar 1933 starb, nicht
verantwortlich zu machen, so vertuschen sie bewusst,
dass Prinzhorn schon vor 1933 ein Teil jener völkischen
Bewegung war, die auf die Vernichtung alles "Undeutschen"
und "Minderwertigen" aus war.
"Es ist und bleibt grotesk, dass eine einflussreiche,
hochintellektuelle Presse es in den letzten Jahren wagen
durfte, unser geistiges Leben mit einer zäh und konsequent
betriebenen anti-arischen Propaganda zu durchsetzen"
schrieb Prinzhorn etwa und wetterte weiter gegen "die
rasend schnelle, in kaum zwei Generationen geschehene
Überflutung mit jüdischem Geist".
Auf einer Gegenveranstaltung zum Weltkongress der Psychiatrie
1999 erläuterte der Sprecher des Bundesverbandes der
Psychatrierfahrenen (BPE), René Talbot, die Motive für
Prinzhorns Sammeleifer:
"Was ihn bekannt gemacht hat, ist die Plünderung der
künstlerischen Werke psychiatrisierter Menschen für
die Gründung eines psychopathologischen Museums.
Dabei nütze er die entrechtete Situation dieser Menschen
schamlos aus - eingesperrt und entmündigt raubte er
ihnen das letzte, was ihnen als Urhebern gehörte, ihre
künstlerischen Werke (...).
Bis heute werden die Werke nicht identifizierter Künstler
mit Wörtern wie "Schizophrenie", "Paranoia" und "degenerativer
Schwachsinn" diffamiert."
Prinzhorn sah in seinen PatientInnen Objekte, die ihn
nicht als Menschen interessierten, sondern vielmehr
als TrägerInnen eines zu erforschenden psychopathologischen
Syndroms. Dieser biologistische Ansatz fand seine konsequente
Fortführung in den Aktivitäten des Neurologen Prof.
Carl Schneider und seiner Kollegen, unter deren Leitung
die Heidelberger Universitätsklinik zum Motor der Euthanasie
wurde.
Als die Euthanasie der Zwangssterilisation folgte, übernahm
die Wissenschaft die Leitung des Mordprogramms. Menschen,
die nicht in das Schema eines "rassisch homogenen Volkes"
passten, sollten vernichtet werden, um das "nationale
Erbgut" nicht in Gefahr zu bringen.
Wissenschaftler machten sich die Forschungsmöglichkeiten
zu Nutze, die ihnen das Mordprojekt mit dem Namen "Aktion
T4" lieferte.
Carl Schneider arbeitete 1942 einer Aktennotiz zufolge
an einer "Absterbeordnung für Idioten", seine Assistenten
Dr. Schmieder, Dr. Rauch und Dr. Wendt, standen unter
der Rubrik "Forschung Heidelberg" auf der Gehaltsliste
der "Euthanasie-Zentrale".
Ihre Korrespondenzen sind durchzogen von der Suche nach
"geeigneten Gehirnen", die sie sich entweder aus den
"noch existierenden Idiotenanstalten" oder direkt aus
den Euthanasie-Mordanstalten wie der "Kinderfachabteilung
Eichberg", in der behinderte Kinder massenweise durch
Spritzen getötet wurden. Schneider nahm sich im Dezember
1945 in der Untersuchungshaft das Leben.
Vielleicht ein unüberlegter Entschluss, machten doch
seine Kollegen auch nach 1945 steile Karrieren: Dr.
Wendt wurde Professor an der psychiatrischen Uniklinik
Heidelberg, Dr. Schmieder, der sich 1944 bei Schneider
habilitiert hatte, wurde Eigentümer und Leiter einer
der größten neurologischen Rehakliniken in Gailingen
(Bodensee-Kreis) und erhielt 1979 das Bundesverdienstkreuz
erster Klasse.
Dr. Rauch wurde gefragter Gutachter u.a. in Prozessen
gegen politische Gefangene.
Erst der Befangenheitsantrag des Verteidigers von Jürgen
Boock, Heinrich Hannover, brachte die mörderische Tätigkeit
Rauchs wieder an die Öffentlichkeit.
Nach 1945 wurde es zunächst still um die "Prinzhorn-Sammlung".
Heute, im Jahr 2001, unterstützen die Heidelberger Universität
und die Landesregierung Baden-Württembergs ein Ausstellungskonzept
ausgerechnet in einem eigens umgebauten Hörsaal der
Psychiatrie. Von den Zusammenhängen mit faschistischer
Ideologie und dem Krankenmord der Nazis wird der künftige
Besucher der "Prinzhorn-Sammlung" nichts erfahren, nicht
über Prinzhorns antisemitische Exzesse und auch nichts
über die Tatsache, dass einige der ausgestellten KünstlerInnen
im Rahmen der T4-Aktion ermordet wurden.
Bettina Brand-Claussen, die im Auftrag der Universität
für die Prinzhorn-Sammlung forscht, zieht jedenfalls
einen dicken Strich zwischen dem Nazisympathisanten
und dem geehrten Kunstsammler Prinzhorn:
"Die Sammlung trägt den Namen Prinzhorns, weil dieser
nach seiner erfolgreichen Sammeltätigkeit eine erste,
noch heute beachtenswerte Bearbeitung der Werke vornahm".
René Talbot resümiert:
"Die Verantwortlichen betrachten die Kunstwerke noch
immer als Patientenkartei, die sie nicht herausgeben
wollen. Sie wollen noch immer nicht akzeptieren, dass
sie die Kunstwerke bösgläubig erworben haben und die
Eigentümerrechte nicht an sie übergegangen sind". ..."
Zu Prinzhorn selbst schreiben sie:
"Hans Prinzhorn wurde 1886 geboren.
1919 kam er als Assistent an die psychiatrische Universitätsklinik
Heidelberg.
Seine Aufgabe bestand dort darin, eine in Ansätzen bestehende
Sammlung einer "Lehrsammlung" mit Bildern von PsychiatrieinsassInnen
weiterzuführen.
Mit welchem Feuereifer sich Prinzhorn daran machte,
sich der Kunstwerke psychiatriesierter Menschen zu bemächtigen,
lässt sich drei Jahre später feststellen:
Als Hans Prinzhorn 1921 Heidelberg wieder verließ, war
die Sammlung auf ca. 5000 Werke angewachsen.
In seinen psychiatrischen Schriften wird der Arzt als
"Idealbild des Nietzscheschen Übermenschen" präsentiert.
Weniger bekannt sind die gesellschaftspolitischen Schriften.
Prinzhorns politisches Denken ist geprägt von Volksgemeinschaftsideologie
und Führergedanken.
Die nationalsozialistische Bewegung übt eine große Faszination
auf ihn aus.
Eines seiner letzten Werke heisst denn auch "Gemeinschaft
und Führertum.
Ansatz zu einer biozentrischen Gemeinschaftstheorie".
1933 stirbt Hans Prinzhorn kurz vor der Machtübergabe
an die Nationalsozialisten."
Ganzer Text:
http://www.autonomes-zentrum.org/ai/texte/prinzhorn.htm
Sollte das nicht auch Ihnen zu denken geben?
Und es legt doch die Schlussfolgerung nahe, dass selbst
nur die Erwähnung des Namens Hans Prinzhorn in den Ohren
gerade der "Betroffenen" ein Schlag ins Gesicht, eine
Beleidigung derer ist, welche, hätten sie zu einer anderen
Zeit gelebt, ebenfalls als Opfer dieses psychiatrischen
Nazi-Denkens mit ihrem Leben bezahlt hätten.
Ich hoffe, ich habe Ihnen mit meinen Ausführungen ein
wenig weitergeholfen, sich mit Ihrem Text, den Sie als
Vorwort zu dem geplanten Katalog zur Ausstellung "Biennale"Meine
Welt" Nr.5", geplant hatten, noch einmal zu befassen
und ihn als Ganzes aus dem Katalog herauszunehmen und
ihn z.B. durch den Ausschreibungstext zu ersetzen.
Es stellen aus:
"Menschen, die in Deutschland auf dem Gebiet der bildenden
Kunst tätig sind. Aus ihrer Vita geht hervor, dass sie
aufgrund einer mehrfachen Behinderung, ihrer psychosozialen
Situation oder in einer anderen Form in ihrem gelebten
Leben zu einer Personengruppe gehören, die einen besonderen
Blick auf die sich ihnen darstellende Wirklichkeit haben."
Ich bedauere, dass Sie sich zwar für die Hinweise aus
meinem Schreiben bedanken, sie aber im darauf folgenden
Halbsatz schreiben, dass Sie "jedoch alle nicht beherzigen
können".
Meine Hoffnung ist noch immer, dass Sie sich mit der
Ausstellung "Biennale"Meine Welt" Nr.5" nicht in den
selben Kontext stellen wollen, in dem damals die "Prinzhornsammlung"
als Ausstellung mit dem Namen "Entartete Kunst" durch
Deutschland "getourt" ist.
Auch hoffe ich, dass Sie nicht in die selben geschichtsblinden
und geschichtsverfälschenden Argumentationsmuster der
Universität Heidelberg oder den Ausrichtern und Pressesprechern
der Ausstellung "Kunst und Wahn" verfallen und sich
damit zum Unterstützer eines Menschen entrechtenden,
entwürdigenden und erniedrigenden Zwangssystems machen,
das zu allem Hohn auch noch mit dem "Wohl der Betroffenen"
begründet wird.
Ich möchte meine Forderung aus meinem Schreiben Ihren
Text betreffend nochmals ausdrücklich wiederholen: bitte
ziehen sie ihn aus dem Katalog zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Roman Breier
P.S.: Im Katalog bitte ich, meine Person betreffend,
nur Geburtdatum, Geburtsort und Wohnort zu nennen, nichts
weiter.
Antwort von Armin Hauer am 18.01.2005:
Als Antwort wurde mir der Erhalt dieses Schreibens
bestätigt und ich wurde gebeten "recht bald"
Bescheid zu sagen, falls ich keine Teilnahme an der
Biennale MEINE WELT wünschte.
Betreffs meines Post Sciptums wurde ich auch
völlig arrogant ignoriert.
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