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Kunstwerk von der Biennale MEINE WELT zurückgezogen
! ! !
Stattdessen: Ausstellung in Berlin ! ! !
Ab dem 18.03.2005 bis zum 05.05.2005
immer Mittwochs und Sonntags von 11-17 Uhr
im Werner Fuß-Zentrum in der Scharnweber Str.
29 in Berlin (Friedrichshain). (Vernissage und
Finissage finden an den genannten Daten um 19.00 Uhr
statt.)
Ihr Anomalie-international-Team
Beton
(Serie 2004)
Beschreibung:
Drei „psychisch kranke“ Baby–Puppen und ein „Psychisch
Kranker“ aus Plastik
werden bei ihren „psychisch kranken“ Spielen beobachtet,
diagnostiziert
und unter Anwendung von Zwang
und gegen ihren Willen,
jedoch nur zur Durchsetzung ihres eigenen Wohles,
mit Wirkstoffen versorgt.
Hierbei ist zu beachten, daß selbst hierzulande Homosexualität
noch vor gar nicht langer Zeit
(ca. 30 Jahre) als „psychische Krankheit“ diagnostiziert
wurde.
Da liegen sie nun.
Mit der sogenannten Beton-Spritze gespritzt.
Ihre „aufrührerischen“ Gedanken sind ebenso zur Ruhe
gekommen wie ihre Bewegungen und
die sonstigen für Lebewesen typischen Merkmale des Lebens.
Viel Spaß beim Anschauen der Bilder
Das AmnesieInternational - Team
Typ
Babies
Beton
Photographie: S.Berg
Beton Session
(Theater)
Personen:
Künstler
Nachbar
Richter
Arzt
Polizist 1
Soz Päd
Polizist 2 (stumme
Rolle)
Presseleute (stumme
Rollen)
NACHBAR
Mein Nachbar benimmt sich heute wieder seltsam. Heute habe
ich ihn beobachtet, wie er einen Sack
Zement in seine Wohnung hochschleppte. Dann ging er noch mal weg und kam mit
zwei schweren ausgebeulten Tüten zurück. Was der wohl wieder vorhat?
KÜNSTLER
(voll ausgestattet als
Psychiater; zieht Babies aus und arrangiert sie auf einem Tisch mit dunklem
Tischtuch, während die Presseleute alles genauestens fotografieren und filmen)
Ach, diese Presseleute,
dieses lästige Geschmeiß. Sie interessieren sich heute
wieder besonders für mich. Muß ich interessant sein.
Muß das, was ich tue doch mal wieder Großes sein. (hat
Babies inzwischen ausgezogen und mehrfach positioniert;
arrangiert sie plötzlich nackt in der 69’er Stellung
oder Ähnlichem)
Na, da hab ich doch mal
wieder zwei von diesen Homos erwischt ! Die sind doch
krank ! Abartig ! Nicht normal ! Da hilft nur noch eins:Betonspritze
mitten in die Halsschlagader ! Nur so ist eine schnelle
Heilung möglich.
(spritzt
den Puppen in die Halsschlagader)
NACHBAR
Was ist denn das für ein Lärm ? Jetzt wird mir so einiges klar.
Er benimmt sich nicht nur seltsam, er ist total verrückt
! Das hab ich mir doch schon lange gedacht. Da fügt
sich das Bild zu einem Ganzen zusammen. Wie abartig
er nachts immer die Treppe hochschleicht, ich kann ihm
doch durch den Spion in meiner Wohnungstür genau in
seine kranke Fresse gucken. Und wie der immer so kleinlaut
grüßt ! Der hat bestimmt was zu verbergen !
(kurze
Nachdenkpause) Und dieser Irre ist doch
bestimmt auch gefährlich ! (schreit
den nächsten Satz) Gefährlich für die Gemeinschaft,
die Gesellschaft, gefährlich für den Staat. … Oder bestimmt
aber für sich selbst !
RICHTER und ARZT
(im
Chor aus dem Hintergrund)
Anmerkung aus medizinischem
und juristischem Blickwinkel: Bestehen Schwierigkeiten
eine Gefährdung der Allgemeinheit nachzuweisen, so ist
eine Selbstgefährdung weitaus einfacher zu behaupten,
festzustellen, zu diagnostizieren und, von Seiten der
Judikative, mit Freiheitsberaubung, Zwangsmedikation
und/oder totaler Entrechtung durch Entmündigung zu sanktionieren.
NACHBAR
Und am Ende ist er noch gefährlich für seine Nachbarn – für
Mich ! Was mach ich nur, was mach ich nur, was mach ich nur ? Da muß man doch
was tun ! Der ist doch restlos rasend ! Ich kann ihn hören !
KÜNSTLER
(fängt
an die Puppen einzubetonieren) Jaaa, da kann sich die Beton-Wirkung
der Beton-Spritze fein entfalten. Man sieht schon richtig
schön wie sich die die Beton-Aura um die beton-gespritzten
Körper ausdehnt. Und die Aura-Farbe sie färbte sich
in einem wunderbaren unauffälligen Grau. Fantastisch
! Bald sind sie ganz zur Ruhe gekommen. Bald ist alle
Hyperaktivität abgeflaut. Alle Manien, alle Psychosen
werden geheilt sein. Die werden etwas so Anomales nie
wieder tun !
(schüttet
die Puppen mit Beton zu)
NACHBAR
Was mach ich nur, was mach ich nur, was mach ich nur ? Ich
hab’s ! Ich muß natürlich irgendwo anrufen ! Das muß ich natürlich
irgendjemandem melden ! Der ist doch nicht mehr Herr der Lage ! Der weiß doch
gar nicht mehr was er tut ! Ich glaube, der braucht jemanden, der gewisse Dinge
für ihn entscheidet. Entscheidungen treffen kann der doch gar nicht mehr. Einen
Vormund ! Natürlich ! Einen Vormund, einen Vormund ! Das ist’s, was er braucht.
Beim Vormundschaftsgericht muß ich anrufen !
(greift
zum Telefon und wählt)
RICHTER
Vormundschaftsgericht, ich bin der diensthabende Richter,
womit kann ich Ihnen helfen ?
NACHBAR
Ahh Euer Ehren ! Ich habe da ein großes Problem, hier in der
….Straße Nr. ... . Mein Nachbar ist geisteskrank ! Er schleppt Zement in seine
Wohnung und schreit schon seit über einer Stunde in merkwürdigen Tonlagen wie
ein Irrer in seiner Wohnung herum. Was soll ich tun ? Wo man doch weiß wie gefährlich
die doch immer sind, diese Psychopathen.
RICHTER
Ruhe bewahren, das ist das Wichtigste
in einem solchen Fall. Schließen sie ihre Türe ab und
machen sie um Gottes willen auch auf lautes Klopfen
hin nicht auf ! Gut, dass sie mich angerufen haben.
Da muß natürlich sofort ein medizinisch-psychiatrisch-lyrisches
Gutachten erstellt werden. Soviel steht fest. Es kann
natürlich nicht sein, dass einfach eine Person über
eine andere entscheidet und sie als verrückt bezeichnet.
So etwas wichtiges muß schon von einem wissenschaftlich-medizinisch-psychiatrischem
Fachmann entschieden werden. Oder sind sie Arzt ?
NACHBAR
Nein, natürlich nicht.
RICHTER
Bleiben sie, wo sie sind und halten
sie sich für eine Aussage bereit. Ich werde alles in
meiner Macht stehende tun um diese unangenehme Sache
so schnell wie möglich in Ordnung zu bringen. Das muß
natürlich alles seinen vorgeschriebenen gewohnten Gang
gehen. Ich werde sogleich den Sozial-Psychiatrischen-Dienst
(SPD) und die Polizei verständigen, damit ihr Nachbar
so schnell wie möglich von einem Psychiater begutachtet
wird. Damit er alsbald, falls dies nötig sein sollte,
einer für ihn geeigneten Heilbehandlung zugeführt werden
kann. Leute wie er haben natürlich wie jeder Mensch
ein Recht auf eine angemessene Heilbehandlung nach den
heutigen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen
! Und wenn er nicht freiwillig mitkommen will, dann
müssen wir ihn eben gewaltsam zwingen. Schließlich ist
das ganze Procedere nur zu seinem eigenen Wohl. Zu seinem
Besten. Danke für ihre Mithilfe. Wenn nur alle Bürger
so umsichtig wären. Solchen Menschen, und das ist immer
sehr wichtig, muß geholfen werden ! Auf Wiederhören !
(legt
auf und wählt erneut)
ARZT
Sozial-Psychiatrischer-Dienst, ich bin der diensthabende
Facharzt für Psychiatrie, womit kann ich ihnen helfen ?
RICHTER
Ich bin’s, der Richter vom Vormundschaftsgericht.
Ich hab wieder einen. Ein vermutlich schwer geisteskranker
und hochgradig gefährlicher Typ in der …..Straße Nr.
…. Muß sofort begutachtet werden. Er tobt wie toll in
seiner Wohnung. Schnapp’ dir ’ne Streife zur Unterstützung
und schau doch mal nach, was der hat und ob der entmündigt
werden muß.
(stockt)
Ähhh… eine Betreuung braucht.
Verflixt, immer diese ständigen Namensänderungen, das
bringt einen jedes Mal durcheinander. Ach , und schick
mir hinterher alles zu; wie immer !
(Arzt
legt auf und wählt eine Nummer)
POLIZIST
Polizeihauptquartier, ich bin der diensthabende
Oberwachtmeister, womit kann ich ihnen helfen ?
ARZT
Hallo Oberwachtmeister, ich bin’s, der Arzt vom
Sozial-Psychiatrischen-Dienst. Ich benötige
die sofortige Unterstützung einer Streife in der …. Straße Nr. …. in 10
Minuten. Sagen sie ihren Leuten, daß es sich um einen gemeingefährlichen Patienten
handeln kann. Die Männer sollen ihre Gummiknüppel mitnehmen und ihre
Dienstwaffen entsichern. Man kann ja nie wissen.
POLIZIST
Zu Befehl, Herr Doktor. In 10 Minuten.
(Polizist
1 und 2 und der Arzt stürmen nach Einsatzkommando-Art
die Wohnung des Künstlers, überwältigen
ihn, drücken ihn auf den Boden und legen ihm
Handschellen an)
ARZT
Das ist ja völlig abartig ! Was hier los ist, das ist ja
schwer zu übersehen. Das liegt ja wohl eindeutig auf der Hand.
Unmißverständlich. Ganz klar. Völliger Realitätsverlußt. Gießt Beton-Klötze in
der eigenen Wohnung. „Eine von einer Hochphase einer bipolaren Störung in eine
klinische Manie umgeschlagene schizophrene Psychose.“ Der Mann steht ja total
neben sich. Bestimmt wollte er sich in seinem Wahn durch orale Einnahme des
restlichen Betons und Zementes umbringen ! Die Richtigkeit dieser These ist ja
wohl schon eindeutig durch die reine Anwesenheit dieser hochgiftigen Stoffe zu
bewiesen. Ganz eindeutig sebstgefährdend, der gute Mann. Wie ist ihr Name.
KÜNSTLER
Ich bin der Künstler. Aber… aber, ich will mich gar nicht
umbringen. Ich lebe gern und mache gerade ein Kunstwerk.
ARZT
Na, daß ist ja klar. Das habe ich mir gedacht. Keinerlei
Krankheitseinsicht ! Das ist besonders typisch für dieses Krankheitsbild, ja
geradezu ein Symptom derselben. Beruf ?
KÜNSTLER
Künstler.
ARZT
Ha ! Ein Künstler will er sein. Ist aber angezogen wie ein
Arzt. Eine unverschämte Verunglimpfung unseres ehrbaren Berufsstandes ! Vor
wenigen Augenblicken hat er sich offenbar noch für einen Arzt gehalten. Ich muß
meine Diagnose präzisieren: „Eine von einer Hochphase einer bipolaren Störung
in eine klinische Manie umgeschlagene schizophrene Psychose im borderline-artigen
Erscheinungsbild einer multiplen Persönlichkeitsstörung.“ So, jetzt ist es
raus. Jetzt besteht kein Zweifel mehr.
(schreibt
die Diagnose auf einen Zettel und spricht zu den Polizisten)
Nehmt diesen Zettel und
bringt ihn auf dem schnellsten Wege in die Notaufnahme
der Psychiatrie. Die sollen dort auch gleich die bei
einem Suizidversuch angesagte Medikation veranlassen.
Vor allen Dingen erst mal ein paar Tage schlafen lassen.
Einfach erst mal Ruhe reinbringen. Wenn’s sein muß mit
Gewalt.
POLIZIST
Jawohl, Herr Doktor.
(Polizei
und Künstler verlassen den Raum; Arzt greift zum Telefon
und wählt eine Nummer)
RICHTER
Vormundschaftsgericht, ich bin der diensthabende Richter,
womit kann ich Ihnen helfen ?
ARZT
Hi Richter, ich bin’s noch mal, der Doc. Ich hab den Mann
begutachtet. Er hat eine schwere Krankheit. Er hat eindeutig „Eine von einer
Hochphase einer bipolaren Störung in eine klinische Manie umgeschlagene
schizophrene Psychose im borderline-artigen Erscheinungsbild einer multiplen
Persönlichkeitsstörung.“ Er hat natürlich überhaupt kein Einsehen in seine Krankheit,
was natürlich, wie du weißt, ein Symptom derselben darstellt.
RICHTER
Na wenn Du’s sagst, dann wird’s wohl auch so sein !
ARZT
Leider musste ich ihn aufgrund suizidaler Neigungen zu
seinem eigenen Schutz vor sich selbst in die Psychiatrie, in die Notaufnahme, zwangseinweisen
lassen. Stell’ Dir mal vor, wir wären zwei Stunden später gekommen. Wir hätten
ihn vielleicht nicht einmal mehr retten können. Zum Glück hatte er diesen
aufmerksamen Nachbarn. Andere hätten ihn verrecken lassen. Sei so gut und schau
innerhalb der nächsten 24 Stunden mal in der Psychiatrie vorbei und bestätige
meine Entscheidung , die aus medizinischer Sicht dringend indizierte
Zwangsunterbringung zu veranlassen. Du weißt ja, da haben die immer noch ein
Recht drauf. Das Gutachten schicke ich dir noch heute zu. Und leite auch gleich
die Entmündigung in die Wege.
RICHTER
Ha, ha, ha, ha, das habe ich heute auch schon falsch gesagt.
Entmündigung heißt heute Betreuung und ist in mehrere Bereiche aufgeteilt.
ARZT
Recht hast du, das muß schon alles mit rechten Dingen
zugehen. Mach einfach das klassische Modell. Schreib ihm eine umfassende
Betreuung für alle Bereiche. Ich glaube nicht, daß er bei den vielen
Psychopharmaka, die er in den nächsten Jahren nehmen muß um einen Rückfall zu vermeiden,
in der Lage sein wird sich selbständig um alle Belange kümmern kann. Er kann
froh sein, wenn er einen bescheidenen Alltag auf die Reihe bekommt. Der
bedauernswerte Mann kann unmöglich unterscheiden zwischen dem, was ihm wohltut
und was nicht. Er kennt sein eigenes Wohl nicht mehr und würde sich nur selbst
schaden, wenn man sich nicht um ihn kümmerte.
( Richter
legt auf und wählt eine Nummer)
VORMUND
Betreuungsbehörde, ich bin der diensthabende Sozialpädagoge,
womit kann ich ihnen helfen ?
RICHTER
Hallo Soz-Päd. Ich bin’s der Richter vom
Vormundschaftsgericht. Ich möchte dich beauftragen in ein paar Tagen die
Betreuung des Künstlers zu übernehmen und schon mal alles Nötige in die Wege zu
leiten. Das Geld, die Betreuungskosten meine ich, könnt ihr euch dann wie immer
einfach von seinem Konto abbuchen… ähhh ich meine solange er noch welches hat. Das
medizinisch-psychiatrisch-lyrische Gutachten haben wir schon. Morgen liegt es
mir schriftlich vor. Er hat „Eine von einer Hochphase einer bipolaren Störung
in eine klinische Manie umgeschlagene schizophrene Psychose im borderline-artigen
Erscheinungsbild einer multiplen Persönlichkeitsstörung.“ Morgen in der Früh’
fahre ich raus und schau ihn mir kurz an. Du weißt, da haben die ein Recht
drauf. Dann laß ich dir den ganzen Papierkram vorbeibringen. Das Verfahren ist
dann eine reine Formsache.
VORMUND
Geht klar, Richter. Und für die Zeit nach der gerichtlichen
Unterbringung, wenn ich dann über die weitere Zwangsunterbringung entscheiden
muß…. . Du kennst ja meine Ansichten: Man sollte die Kranken so lange in der
Psychiatrie lassen, bis die Psychiater der Meinung sind, man könne sie wieder
rauslassen. Schließlich sind sie doch die Profis, die Fachmänner, die
Spezialisten. Wofür sollte eine derart intensives Studium denn sonst gut sein.
ENDE
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Regieanweisungen: -
jeder, der spricht. Wird einmal von einem Pressemann
fotografiert
(Blitz)
- Polizisten stürmen
mit gezogener Waffe die Wohnung und geben sich nach Agentenmanier gegenseitig
Deckung.
- die Adresse des
Künstlers ist immer die Adresse der Veranstaltung
Die Gekreuzigte
Die gekreuzigte Barby–Puppe ist
ein Kunstwerk, das 1997 im Rahmen einer Ausstellung
in Heidelberg entstand.
Es thematisiert : Christentum
- Konsum – Wahrheit - Moral .
Das Anomalie-International -
Team
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Kreuz (1997)
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